Entspannte Schule Nauen


Allgemein
Schule
Projektleitung
Kontaktlehrperson
Projektmitglied
Kurzbeschreibung
Das Projekt schafft den Raum für die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Belastung und Umgang mit Belastungen. Zielgruppen sind Schüler/innen und Lehrpersonen. Die Eltern sind im Projekt im Rahmen der Elternarbeit einbezogen.
Beschreibung
Das Projekt hat zum Ziel, dass an der Schule Nauen in einer entspannten Atmosphäre und konzentriert gelernt werden kann, sodass das Schulpersonal sowie die Schüler/innen ihr Potenzial optimal ausschöpfen. Die Themen Stress und Druck werden bewusst angegangen. Sowohl Lehrpersonen als auch Schüler/innen der Schule Nauen pflegen einen bewussten Umgang mit Situationen, in denen sie unter Druck geraten. Solche Situationen werden erkannt und reflektiert. Angebote zur Entspannung und Strategien zum Umgang mit Belastungen sind an der Schule vorhanden.
Zeitrahmen
September 2013 bis Mai 2014
Projektbegründung
Ausgangslage
Im Leitbild des Nauen heisst es: „Eine Schule, in der Lehren und Lernen Freude machen." Damit Lernen und Lehren Freude machen kann, muss an der Schule eine entspannte Atmosphäre herrschen. Klassenlehrpersonen lesen in Rückblickheften vom Stress der Schüler und Schülerinnen. An Elterngesprächen kommt die psychische Belastung einer Anzahl Schüler/innen zur Sprache. Die Schulsozialarbeit stellt eine Häufung von Beratungen im Bereich von „Stress“, Druck, Belastung fest. Auf dem Pausenplatz und in schwächeren Leistungsgruppen zeigt sich ein erhöhtes Aggressionspotenzial. Schüler/innen stehen (vor allem auch in Nachmittagsstunden) unter einer hohen Anspannung und sind unruhig und unkonzentriert. Im Lehrerzimmer herrscht eine hektische Atmosphäre. Es gibt Lehrpersonen, denen es in der 10-Uhr-Pause unwohl ist, weil es lärmig ist und weil nicht abgeschaltet werden kann.
Diese Problematiken wirken sich negativ auf die Gesundheit von Lehrpersonen und Schüler aus. Die Leistungsfähigkeit wird dadurch eingeschränkt.
Auch gesellschaftlich ist das Thema Belastung aktuell. Im Zusammenhang mit den Managersuiziden wurde in den Medien das Thema "Stress am Arbeitsplatz" wieder vermehrt aufgenommen. Die Unternehmen sollen sich verantwortlich zeigen, ihre Mitarbeitenden vor anhaltender Überforderung zu schützen. Diese Problematik spielt auch in der Schule eine Rolle - sowohl auf der Ebene der Lehrpersonen, als auch im Klassenzimmer.
Beschreibung des Projektes
Projektziel
1. Die Schüler/innen und die Lehrpersonen des Nauens kennen ihre persönlichen Stressfaktoren und wissen, in welchen Situationen im Schulalltag sie unter Druck geraten.
2. Die Schüler/innen und die Lehrpersonen des Nauens kennen verschiedene Strategien zum Abbau von Stress in ihrem Alltag und können sie anwenden.
3. Die Eltern der Schülerschaft kennen das Anliegen der Schule Nauen und setzen sich selber mit dem Thema auseinander.
4. Die Schule Nauen verfügt über Angebote zur Entspannung, welche von Schülern und Schülerinnen, von Lehrpersonen oder von ganzen Klassen genutzt werden können.
Indikatoren
- Die wichtigsten Stressfaktoren der Schülerschaft sind eruiert und schriftlich festgehalten.
- Im Schüler/innenparlament sind Strategien zum Umgang mit diesen Stressfaktoren erarbeitet worden.
- Jeder Schüler, jede Schülerin und jede Lehrperson kennt mindestens eine Strategie zum Stressabbau, welche für sie/ihn persönlich wirksam ist und ganz praktisch anwendbar ist.
- An der Schule Nauen gibt es mindestens drei Angebote, welche der Entspannung dienlich sind.
- Für die 10-Uhr-Pause im Lehrerzimmer bestehen schriftliche Abmachungen, welche eine entspannte Pause für alle Beteiligten möglich machen.
Strategien und Massnahmen
- Umfrage bei der Schülerschaft mit Einbezug des Schüler/innen-Parlamentes, wo die Stressfaktoren der Schülerschaft liegen. Erarbeiten von Strategien zum Umgang mit diesen Stressfaktoren mit der Schülerschaft.
- Weiterbildung Lehrpersonen mit Reflexion von Stressfaktoren und Angeboten (bereits vorhandenen oder gewünschten) auf Ebene Schülerschaft und auf Ebene Team.
- Prüfen der Möglichkeiten des Boxraumes und definieren des Angebotes für Klassen und Einzelpersonen (Schüler/innen, Lehrpersonen).
- Analyse der Situation 10-Uhr-Pause und Erstellen von Abmachungen, welche der Entspannung dienlich sind.
- Elternbildung: Elternworkshops 2014 (Zusammenarbeit mit dem Elternforum Nauen) zu verschiedenen Themen von Stress und Entspannung.
- Schaffung eines Entspannungspasses für Schüler- und Lehrerschaft, auf dem die Angebote aufgelistet sind und eine persönliche Auseinandersetzung und Reflexion möglich wird.
Geplante Evaluation
Am Evaluationstag vom 28. Mai wird das Team mittels einer Zielscheibe zu den Indikatoren mit Klebepunkten Stellung nehmen.
Im Elternforum findet ein Interview zur Auswertung des Elternanlasses statt.
Die Schüler/innen und Schüler werden im Juli 14 (via Delegierte des Schüler/innenparlamentes) zu den Resultaten befragt (mündliche Fragestellung, Erfassung der Zahlen).
Die Prozess-Evaluation wird an der Sitzung vom August 14 in der "Steuergruppe" reflektiert und Erkenntnisse werden der Schulleitung mitgeteilt.
Konzepte der Gesundheitsförderung
Chancengleichheit
Bei der Umfrage im Schüler/innenparlament werden Jungen und Mädchen befragt. Im Schüler/innenparlament sind alle Klassen von Niveau A-C vertreten. Beim Erfassen der Resultate wird darauf geachtet, welche geschlechterspezifischen Unterschiede sich ergeben und ob gewisse Stressfaktoren eher auf Jungs oder eher auf Mädchen oder beide gleich zutreffen.
In der Projektgruppe sind Männer und Frauen vertreten, welche das Lehrerteam spiegeln. Für alle drei Schulniveaus A, B und C sind Lehrpersonen vertreten. Besondere Bedeutung hat die Beteiligung der Sek-C-Lehrperson und der Heilpädagogin, welche die schwächsten Schüler/innen und die Schüler/innen mit Migrationshintergrund am besten kennen und in engem Kontakt mit ihnen sind. Es wird geprüft, ob es für diese Klassen noch andere (eventuell weiterführende) Massnahmen braucht.
Empowerment
Beim Projekt steht das Finden von Strategien zum Stressabbau und die persönliche Reflexion im Vordergrund. Wenn das Ziel erreicht wird, dass jede Person im Schulhaus mindestens eine Strategie kennt, welche für sie wirksam ist, stärkt dies den lösungsorientierten Ansatz jedes einzelnen. Dieser Umgang vermittelt, dass die Beteiligten nicht einfach Opfer einer Situation sind, sondern durch eigene gezielte Handlungen etwas gegen das Problem tun können. Dies ist sowohl für die Jugendlichen als auch für die Erwachsenen ein wichtiger Lernprozess, der auch für die Suchtprävention von grosser Bedeutung ist.
Durch das Projekt wird das Thema Stress enttabuisiert. Es werden Gefässe und eine gemeinsame Basis für das Gespräch über die Thematik geschaffen. In den Klassen wird am Klassenrat und in Schüler/innenparlament an den Sitzungen über die belastenden Situationen und Lösungsansätze geredet. Dies fördert das Bewusstsein der Beteiligten für das Thema Überbelastung und ein frühzeitiges Ansprechen und Thematisieren von solchen Situationen wirkt bereits entschärfend.
Durch das Projekt werden auch Eltern für die Thematik sensibilisiert. So kann Überlastung auch in den Familien thematisiert werden. Ein entspanntes Zuhause trägt entscheidend zur Gesundheit der einzelnen Jugendlichen bei. Sinnvolle Strategien können auch dort gefunden werden.
Negative Strategien wie das Zuviel an Computerspielen, Essen oder Alkohol/Drogen können aufgedeckt und im Idealfall ersetzt werden. Dies gilt für Erwachsene und Jugendliche zugleich.
Den Beteiligten soll nach dem Projekt auch klar sein, wo sie weiterführende Hilfen erhalten können, wenn die Belastung das gesunde Mass übersteigt und individuelle Lösungen gefunden werden müssen. (Schulsozialarbeit, Coaching)
Nicht zuletzt ist auch die Schulleitung in der Personalführung für das Thema sensibilisiert und erhält wichtige Hinweise für die Personalführung und die Schulentwicklung.
Partizipation
Durch die Befragung im Schüler/innenparlament werden die Schüler/innen zu echten Beteiligten. Das Schüler/innenparlament spielt beim Informationsfluss und bei der Befragung der Schülerschaft eine sehr grosse Rolle im Projekt. Ohne dieses Gefäss wäre es kaum möglich, so nahe an die Schüler/innen heranzukommen. Durch die Personalunion Projektleitung - Delegierte Lehrperson im Schüler/innenparlament von Pia Kuster kann das Projekt in enger Zusammenarbeit mit den delegierten Schüler/innen geführt werden.
Der Boxraum wurde mit der Werchklasse (spezielle Klasse Sek C3 mit mehr handwerklichen Stunden als in den normalen dritten Klassen) umgebaut, was die Identifikation damit erhöht und eine sehr sinnvolle handwerkliche Arbeit bedeutet. Die Vorbereitung für die Elternworkshops 2014 zum Thema Stress und Entspannung findet mit einer Kontaktperson des Elternforums Nauen statt. Das Elternforum wird massgeblich beteiligt sein bei der Organisation dieses Anlasses. Aus dem Elternpool des Elternforums werden Ressourcen eruiert, gemäss welchen Eltern an diesem Abend im Sinne von "Eltern für Eltern" Workshops anbieten können.
Langfristigkeit
Die Angebote der Schule zur Entspannung, insbesondere die Angebote im Boxraum (Boxen in Turnstunden, Kurse über Mittag, Klassenangebot) sollen langfristig fix installiert werden. Sie sollen zur Schulhauskultur werden.
Von den Abmachungen betreffend 10-Uhr-Pause soll langfristig profitiert werden können. Durch die Sensibilisierung der Beteiligten an der Schule auf das Thema Stress und Entspannung werden auch künftig Angebote bestehen (bleiben) und Angebote von aussen wahrgenommen und genutzt, welche eine entspannte Atmosphäre positiv begünstigen.
In der so gestalteten Schulhauskultur werden künftig Warnzeichen einer Überbelastung frühzeitig wahrgenommen, angesprochen und aktiv angegangen.
Stressmanagement wird (wie Lerntechnik) ein Thema in den Klassen sein, das über die einzelnen Fächer hinausgeht. Gerade im Zusammenhang mit dem Projektunterricht passt dieses Thema sehr gut auch langfristig in den Unterricht hinein.
Bereits bei der Kickoff-Veranstaltung wurden Themen offensichtlich, welche das Projekt übersteigen: Zum Beispiel die Gestaltung von Räumen, welche die Entspannung fördern oder eine entsprechende Lektionengestaltung. Auch im Bereich der Infrastruktur besteht weiter Handlungsbedarf. Zum Beispiel wurde der Wunsch nach einer Terrasse für Lehrpersonen oder nach Relaxplätzen für Schüler/innen geäussert.
Zielerreichung (Evaluation)
Projektziele
Ziel 1: Die Schüler/innen und die Lehrpersonen kennen ihre persönlichen Stressfaktoren und wissen, in welchen Situationen im Schulalltag sie unter Druck geraten. Das Ausarbeiten von Strategien konnte noch nicht angegangen werden. Die Lehrpersonen werden im Rahmen der Evaluation befragt, ob ihre Bereitschaft vorhanden ist, sich auf dieses Thema einzulassen.
Schüler/innen: In allen Klassen fand eine Befragung durch die Delegierten des Schüler/innenparlamentes statt. Die Schüler/innen hatten die Gelegenheit, in Gruppen über die Situationen, die sie in der Schule, zu Hause und im Freundeskreis belasten, zu sprechen und dies weiterzuleiten.
Lehrpersonen: Im September 13 fand ein Weiterbildungshalbtag für Lehrpersonen statt, an dem in einer Auslegeordnung die Stressfaktoren ausgelegt wurden. Den Lehrpersonen ist bewusst, welche Punkte sie belasten.
Ziel 2: Die Schüler/innen und die Lehrpersonen des Nauens kennen verschiedene Strategien zum Abbau von Stress in ihrem Alltag und können sie anwenden.
Schüler/innen: Am 23. Mai findet ein Halbtag des Schüler/innenparlamentes statt, an dem zu den oben genannten belastenden Situationen zusammen mit der Schulsozialarbeit Strategien der Entlastung gesucht werden sollen. Dieses Ziel wurde also noch nicht erreicht, ist aber in Planung.
Lehrerschaft: Es wurden Regeln für den Umgang miteinander im Lehrerzimmer ausgearbeitet (worüber redet man, worüber nicht / wo kann man ungestört Pause machen etc.). Es wurden Massnahmen getroffen, das Lehrerzimmer ruhiger zu machen (Vorhänge, Filz an den Stühlen, Sitzordnung). In Planung sind ein Sitzplatz mit Liegestühlen und eine Terrasse. Diese beiden Projekte sind aber noch in Bearbeitung.
Ziel 3: Die Eltern der Schülerschaft kennen das Anliegen der Schule Nauen und setzen sich selber mit dem Thema Entspannung auseinander
Am 14. April 14 fand ein Elternabend statt mit 5 Workshops zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Stress und Entspannung: Malen mit einer Maltherapeutin, Atmen, Boxen, Gespräch über den Stress von Jugendlichen mit der Schulsozialarbeit, Input eines Mentalcoaches. Alle Workshops verliefen erfolgreich und das Feedback der Elternschaft war sehr gut. Die Organisation des Abends war eine Zusammenarbeit von Elternforum und Kontaktlehrpersonen Gesundheitsförderung. Eine Lehrperson, welche teilnahm, konnte das Boxen für sich als geeignete Entspannungsmethode entdecken.
Ziel 4: Die Schule Nauen verfügt über Angebote zur Entspannung, welche von Schülern und Schülerinnen, von Lehrpersonen oder von ganzen Klassen genutzt werden können.
Es wurde ein Kurzprogramm ausgearbeitet und der ganzen Lehrerschaft vorgestellt, welches im Boxraum von einer Klasse in einer 20minütigen Sequenz durchgearbeitet werden kann. Es geht dabei darum, dass eine Klasse, welche eine Bewegungspause braucht, dieses Programm individuell mit einer Lehrperson durchführen kann. Das Programm wurde erst eingeführt, aber noch nicht im Alltag erprobt.
Die Angebote für Schüler/innen und Lehrpersonen individuell konnten noch nicht umgesetzt werden.
Strategien und Massnahmen
Die Strategie, die Schüler/innen über das Schüler/innenparlament zu befragen, hat sich sehr bewährt. So konnte in allen Klassen über die Thematik geredet werden und die Delegierten wurden zu Moderatoren und Beteiligten des Prozesses. Es wird sich zeigen, ob wirksame Strategien gefunden werden können, echte Entlastung zu bringen. Ob der Entspannungspass umgesetzt werden kann, ist noch offen.
Der Team-Weiterbildungstag vom September verlief nicht zu 100% erfolgreich. Die Lehrpersonen zeigen eine Abwehrhaltung gegenüber dem Thema. Die Bereitschaft, über die Belastung zu reden, ist gering. Dies auf beiden Ebenen: Der Ebene der eigenen Belastung (wir wollen nicht immer jammern...) und der Ebene der Schülerschaft (die jammern ja sowieso immer nur über Hausaufgaben und Tests).
Die Zusammenarbeit mit dem Elternforum war sehr fruchtbar. Einerseits konnte die Schule über die Themen der Gesundheitsförderung mit der Schülerschaft informieren, andererseits konnte echtes Interesse für die Thematik in der Elternschaft geweckt werden. Die Mitglieder des Elternforums setzten ihre Kontakte und ihr Wissen ein, um einen spannenden Workschop-Abend zu organisieren, welcher sehr gut ankam.
Der Ansatz, den bestehenden Boxraum zu nutzen und das Angebot zu erweitern, erwies sich einerseits als sinnvoll, andererseits ist es schwierig, Bestehendes zu verändern. Die Thematik muss weiter verfolgt werden und es sollen auch spontan Projekte im Zusammenhang mit dem Boxraum entstehen können.
Stärken
Die Zusammenarbeit mit den bestehenden Organen "Schüler/innenparlament" und "Elternforum" war sehr fruchtbar und sinnvoll. Das Empowerment für Schüler/innen und Eltern war offensichtlich. Im Verlauf der Arbeit ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit auch mit der Schulsozialarbeit.
Die umgesetzten Massnahmen "Elternworkshop" und "Regeln fürs Lehrerzimmer" sind niederschwellig und wirksam und passen zum gelebten System.
Aufwand und Ertrag waren sinnvoll.
Schwächen
Die Steuergruppe und das Lehrerteam waren zu wenig in das Projekt involviert. Als Projektleiterin versuchte ich zu viel selber zu machen statt die oben genannten Gruppen zu Beteiligten und Verbündeten zu machen. Dies, weil die Belastung im Schulalltag mit den bereits bestehenden Projekten schon sehr hoch ist.
Im Vertrag mit dem Netzwerk ist das Thema "Entspannte Schule" ein Dreijahres-Schwerpunkt. Ich wollte in einem einzigen Jahr zu viele Ziele umsetzen.
Es wäre besser gewesen, nur die Ebene Schüler/innen zu fokussieren im ersten Jahr und die Ebene der Lehrpersonen auf das zweite Jahr zu nehmen
Anhänge
Dateien
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